Die Helmut-Rau-Schule begrüßt ihre neuen Erstklässler

In unserer immer schneller werdenden Gesellschaft nehmen Rituale an Bedeutung zu. Sie geben uns Sicherheit, suggerieren uns einen festen unverrückbaren, immer wiederkehrenden Punkt in unserem Leben. Dies gilt speziell für Zeiten, in denen die Zukunft wie eine dunkle Straße vor uns liegt. Rituale bleiben im Gedächtnis, werden sie erneut erlebt oder miterlebt, führen sie uns zurück auf das eigene Erleben, auch wenn es schon Jahre, ja Jahrzehnte zurückliegt. Auch wenn die Erinnerung verblasst, so kann sich doch ein jeder noch Fragmente jenes Tages vor Augen rufen, als man den ersten Schritt aus dem Dasein des Kindes in die Schule und somit in eine neue, bunte und vielfältige Welt tat. Die erste Lehrerin, vielleicht der Geruch des Gebäudes und nicht zuletzt die von Nascherei schwere Schultüte sind Attribute, die wir mit unserer eigenen Einschulung verbinden können.

Während dieser Tag für uns bereits Vergangenheit ist, wurde er am Samstag, den 19.09.2020 für die neuen Erstklässler der Helmut-Rau-Schule in Mainhardt zur Gegenwart. Unter Einhaltung der nötigen Hygienemaßnahmen und in zwei Gruppen, wurden die 53 Neuen der beiden Klassen in der Waldhalle von den Pädagogen und Pädagoginnen begrüßt. Ein Programm aus musischen Einlagen, Grußworten und Wünschen bot den Rahmen der Veranstaltung, bei der den älteren Kindern der Schule eine tragende Rolle zukam. Gemeinsam wurde symbolisch eine Schultüte gepackt, die neben praktischen Dingen wie einer „Uhr“, damit man sich stets an die Pünktlichkeit erinnere oder „Hustenbonbons“, die für Gesundheit standen, auch „ein guter Freund“ und „eine Gedankenblase“ für Wünsche und Träume gelegt wurden. Als letztes krönte „der Regenbogen“ als Zeichen der Zuversicht die bunte Tüte, deren Symbole gleichsam in die Herzen der Kinder geschrieben wurden und sie auf ihrem Weg durch die nächsten vier Jahre begleiten sollen. Die Rektorin Frau Nothing übergab die künftigen ABC-Schützen in die Hände der Lehrerinnen Frau Bachmann und Frau Maurer und entließ sie auf die ersten Schritte ihrer Schulzeit.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, so schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“ und mahnt uns weiter, dass nichts von Dauer sei, dass der ewige Kreislauf aus Abschied und Neubeginn die Reise sei, die wir Leben nennen. So werden die Erstklässler von heute die Absolventen von morgen sein und diesen Abschied wieder in ein würdiges Ritual kleiden. In der Zeit dazwischen wollen wir Lehrer und Lehrerinnen der Schule Sorge tragen, dass sich die Kinder einst freudig an ihre Schuljahre erinnern können.

Konrad Schlicht