Helmut Rau Schule Mainhardt

Exkursion der 10a und 10c zum Konzentrationslager Natzweiler Struthof

„Was ist schlimmer als das Vergessen? Ebenso wie es Verbrechen gegen die Menschlichkeit gibt, gibt es auch Verbrechen gegen die Erinnerung.“ Elie Wiesel, Überlebender der Konzentrationslager, Friedensnobelpreisträger

70 Jahre ist es nun her, dass die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten beendet wurde und damit auch die planmäßige Vernichtung von Juden, Widerstandskämpfern, Oppositionellen, Kriegsgefangenen und Homosexuellen in den Konzentrationslagern.

Aus dem Geschichts- und Religionsunterricht heraus entstand der Wunsch der Schülerinnen und Schüler ein ehemaliges Konzentrationslager zu erkunden. Dieser Wunsch verstärkte sich noch, nachdem die Klasse 10c und die katholischen Schüler der 10. Klassen zusammen mit Frau Schulz und Herrn Spathelf die Ausstellung „Aus dem Vorhof Satans“ in Schwäbisch Hall besucht hatten. In dieser Ausstellung verarbeitete Sara Atzmon die Schrecken ihrer KZ-Internierung von Bergen-Belsen künstlerisch mit Hilfe von Gemälden.

So fuhren am 12. Mai die Klassen R 10a und R 10c zum Konzentrationslager in Natzweiler- Struthof im Elsass. Begleitet wurden sie von Frau Schulz, Frau Schuler, Frau Riek und Herrn Spathelf. Nach dreieinhalb Stunden Busfahrt erreichten wir das „Europäische Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers“, das für den historischen Erhalt und die Dokumentation des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof zuständig ist.

Nachdem die Klassen in vier Gruppen aufgeteilt wurden, begann die Führung durch das Lager unter Anleitung einer Lehrerin oder eines Lehrers. Unterstützt wurden sie dabei von Carolin Sinn, Marian Epple und Silas Graf, die Aspekte des Lagerlebens vorbereitet hatten.

Acht Stationen waren zur Besichtigung vorgesehen, was aber leider nicht möglich war, da der „Bunker“, das „Krematorium“ und die „Klärgrube“ wegen Renovierungsarbeiten nicht zugänglich waren.
Das Lager liegt auf 750 m Höhe, wurde im Mai 1941 eröffnet und bestand aus 17 Baracken, die für jeweils 200 Gefangene errichtet wurden. 1944 hausten jedoch 650 bis 700 Personen in solch einer Baracke. Inhaftiert wurden hier Kommunisten, Sozialdemokraten, Kämpfer des französischen Widerstandes, Juden, sogenannte Nacht- und Nebelhäftlinge, die unbemerkt ermordet werden sollten und sowjetische Kriegsgefangene.

Die Terrassen, auf denen immer zwei Baracken standen, waren durch unterschiedlich hohe Treppenstufen miteinander verbunden und mussten von den Gefangenen immer im Laufschritt beim täglichen Appell genommen werden. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich hier lebhaft vorstellen, welchen Qualen die Gefangenen zu erleiden hatten. Eine Baracke, die heute als Museum dient, verschaffte den Klassen einen Eindruck unter welchen Bedingungen die Häftlinge lebten mussten: Dreistockpritschen für die Nacht, 18 Wasserhähne zum Waschen für durchschnittlich 400 Personen, 12 Toiletten in einem Raum ohne die Möglichkeit eine Tür hinter sich zu schließen. Den Besuchern wurde deutlich, dass das System des Lagers auf die Zerstörung der Persönlichkeit durch den Verlust jeglichen Rechts, Erniedrigung, Willkür der Wachmannschaften und unmenschlicher Arbeit in den Steinbrüchen der Umgebung angelegt war. Am Ende der zweieinhalbstündigen Besichtigung legte jede Gruppe an einer Stationentafel bzw. am Mahnmal für die französischen Widerstandskämpfer eine Rose nieder, um den drei- bis viertausend Menschen, die in diesem Konzentrationslager getötet wurden, zu gedenken.

Niemand blieb unberührt von dem Wissen, dass er sich auf einem Gelände befand, auf dem so viele Menschen gelitten haben und gestorben sind, teilweise sogar ihre Asche sich in dem Boden befand, auf dem wir gelaufen sind. Jede/r wird mit der Frage konfrontiert worden sein, warum so etwas geschehen konnte?

Nach einem kurzen Aufenthalt in Obernai fuhren die Klassen zurück, und waren gegen 20.00 Uhr wieder in Mainhardt.