Wo gesungen wird, da lass Dich nieder…

… böse Menschen haben keine Lieder.

Jene ersten Zeilen aus dem Gedicht und Lied „Die Gesänge“ von Johann Gottfried Seumes sind längst zum geflügelten Wort geworden und haben auch in unserer Zeit nichts an Bedeutung und Wahrheit verloren. Gemeinsames Singen stiftet Gemeinschaft, transportiert ein Gefühl des Gleichklangs, der Harmonie und lässt den Sänger in sich hinein und auf andere hören. Nicht umsonst pflegten Schulen bereits in der frühen Neuzeit den mehrstimmigen Chorgesang als Mittel der Pädagogik und Heranführung an die hohen Künste.
Ganz soweit reicht die Tradition des Schulchores der Helmut-Rau-Schule in Mainhardt nicht zurück, dennoch ist dieser seit Jahren integraler Bestandteil der Schulkultur und begleitet Einschulungen, Verabschiedungen und eben all jene Veranstaltungen, die dem (Zu)hörer durch mal kürzere, mal längere Einlagen ins Gedächtnis rufen wollen, dass es in der Schule mehr gibt, als Buchstaben und Zahlen.

Alljährlich steht der Chor aber auch einmal selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Chorkonzert 2019 fand am 28. Mai unter dem Leitwort Jean Pauls „Poesie der Luft“ in der Waldhalle statt.

Ende September hatten sie die ersten Liedertexte in den Händen. Dann mussten sie loslegen. Und zwar gewaltig. Auf die 25 Schüler und Schülerinnen der Sekundar- und die 35 Schüler und Schülerinnen der Primarstufe rollte mit den Notenheften ein ziemliches Pensum Extra-Arbeit zu. Bis zum Stichtag müssen Sie mehrere aktuelle Songs lernen. Dazu gehörten moderne Popsongs wie „Why so serious?“ von Alice Merton, „Cheap Thrills“ von der australischen Sängerin Sia oder „Back to the start“ von Michael Schulte.

Auf das Großereignis haben sich auch die Chorleiterinnen Frau Bunz und Frau Reim vorbereitet. Sie haben neben ihrem Schulalltag mit den Schülern und Schülerinnen die Tonleiter rauf und runter eingeübt. Proben morgens, noch vor der ersten Unterrichtsstunde oder am Nachmittag sind die Bürde, die die Teilnehmer auf sich nehmen, um einmal vor vollbesetzter Halle auf der Bühne zu stehen.

Dies und der breite Applaus nach dem Konzert von Seiten der Zuhörer muss für die Kinder ein überwältigendes Erlebnis gewesen sein. Ein großer Erfolg und ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl für den Chor und für die Zuschauer eine Reminiszenz an das Goethe Wort, an das Frau Rektorin Kuhn an diesem Abend gemahnte: „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

K. Schlicht