Helmut Rau Schule Mainhardt

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom, sobald ich mit dem Rudern aufhöre, falle ich zurück.“

Kann man das Lernen lernen? Ein Vortrag an der Helmut Rau Schule.

Hausaufgabenstress im Elternhaus, Gemurre beim Wiederholen der Vokabeln oder endlose Gespräche am Essenstisch über Lernerfolge oder –misserfolge – welches Elternteil kennt das nicht? Dabei fragen sich viele Eltern heutzutage, was können nicht nur ihre Kinder tun, um erfolgreich zu lernen, sondern wie können sie selbst diese dabei effizient unterstützen.

Diesen und ähnlichen Fragen rund um das „Lernen lernen“ ging Frau Ursula Schürmann vom gemeinnützigen Verein LVB Lernen e.V. am Dienstag, 05. April 2015, in der Mensa der Helmut Rau Schule auf den Grund. Geladen hatte der Förderverein der Schule.

In ihrem zweiteiligen Vortrag brachte sie mit ihrer Esprit vollen Art den 120 anwesenden Eltern spannend und praxisnah wesentliche Erkenntnisse der Lernforschung nah. Dabei ging sie zunächst auf Lerntechniken ein und vermittelte grundsätzliche Forschungsergebnisse zum Lernen. Dazu gehört vor allem die Funktion des Gedächtnisses.

Die Zuhörer konnten in Eigenversuchen selbst erfahren, was es mit Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis auf sich hat. Ohne Wiederholung ist Gelerntes nach etwa einem halben Jahr so gut wie vollständig aus dem Gedächtnis verschwunden, so dass Schüler voller Überzeugung behaupten: „Das haben wir noch nie gehabt!“ „Wer lernt und nicht wiederholt, braucht eigentlich gar nicht zu lernen!“, formulierte Frau Schürmann provokativ. Damit appellierte sie an die Eigenverantwortung der Schüler (und auch an die Verantwortung der Eltern), sich den einmal in der Schule erworbenen Lernstoff auch wirklich selbstständig dauerhaft anzueignen. Erst dann kann dieser bei Bedarf jederzeit aus dem Gedächtnis abgerufen und angewandt werden. Das Langzeitgedächtnis ist die Lagerhalle des Gehirns, in der man nur dann etwas wiederfindet, wenn es ein bestimmtes System gibt und nicht das ungeordnete Chaos alles beherrscht. Wichtig sei es, vor allem die sogenannten Grundlagen (wie das Einmaleins, Vokabeln und grammatische Regeln) regelmäßig zu wiederholen z.B. 10 Minuten, die als Ritual in den Tagesablauf eingebaut werden sollten. Dabei ist stundenlanges einmaliges Wiederholen vor einer Arbeit praktisch sinnlos.

Der kurzweilige Vortrag erbrachte den Eltern somit nicht nur Denkanstöße für den Heimweg, sondern auch nachhaltige Tipps für das „richtige“ Lernen, so dass alle Anwesenden zum Schluss dankbar und froh waren, dass Frau Schürmann im Rahmen ihrer deutschlandweiten Schultour auch Stopp in Mainhardt gemacht hatte.