Die steinernen Jungfrauen (von Sabine und Steffen Ocker)

Das Schulmusical der Helmut-Rau-Schule Mainhardt lockte an zwei Tagen etwa 400 Zuschauer in die Waldhalle.

Unter der Leitung von S. Szkopp (Band und Chor) und K. Joas (Theater-AG) zeigten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 8 eine bunte Mischung aus Spiel, Gesang und Tanz. In das richtige Licht, wurden sie dabei von der Technik AG unter der Leitung von G. Kohler gesetzt.

„Chilln, das ist es was ich will!“, erklärte das junge, freche Mädchen (Jasmin Wenkemann R7a) dem schrägen Vogel (Katja Rusch R8c). „Wer braucht schon Schule und was interessieren mich diese blöden alten langweiligen Felsen?“ Da hatte der schräge Vogel eine Antwort auf Lager und erzählte munter drauf los.
Unter stetem Szenenwechsel, welcher durch Requisiten (gestaltet unter der Leitung von K. Manschadi) und über den Beamer projizierte Hintergrundbilder veranschaulicht wurde, machte das Publikum eine Zeitreise in das Eselsburger Tal bei Herbrechtingen an der Brenz.

Dort wohnte einst ein Burgfräulein (Annina Rittinger R7b, Anne Truckenmüller R8a). Hübsch, aber verbittert. Sie war wählerisch, was die Männerwahl anging, gefiel ihr jedoch einer, stellte dieser sie bloß. Sie ging daher nie unter Menschen. Dafür hatte sie zahlloses Personal, darunter auch zwei junge Mägde (Lina Kuch R5a, Kim Eller R7a).
Eines der musikalischen Highlights setzte die Komponistin an dieser Stelle mit dem „Top Job“- Song, der auf schwungvolle Weise von der Arbeit auf der Burg.

Aus Gram über die zahllosen Enttäuschungen verbot das Fräulein ihren Mägden, je mit einem Mann zu sprechen. Diese jedoch verliebten sich beim Wasserholen bald in zwei Fischergesellen (Armin Rösch R5a, David Schwarz R5a) und brachen das Schweigegelübde.
„Warum sprecht ihr denn nicht mit uns?“ Als die beiden daraufhin keine Antwort erhielten, versuchten sie die Zungen der Mädchen mit einem mitreisenden und herzerweichenden Lied zu lockern. Und es klappte.
Als die adlige Dame die verliebten Mädchen sah, wurde der Hass, der sich in ihr Herz gefressen hat, so übermächtig, dass sie in ihrer Wut die Mädchen zu Stein verwandelte.

Jedoch brannte in der folgenden Nacht die Eselsburg vollständig nieder. Die bisher unbeherrschte Dame stand vor den Trümmern ihrer Existenz. Ihr Fußvolk hat sie verlassen und sie wurde noch einsamer als je zuvor. Nur der alte Fischer (Moritz Niebel R7a), stand ihr noch bei. Er zeigt ihr, was die Enttäuschung und Rachsucht aus ihr gemacht hat.
Das Schlusslied des Fischers, ein musikalischer Höhepunkt, macht die Kernaussage des Stückes noch einmal deutlich. „Du bist nie sowieso so wie du so eben bist, du bist das, was das Leben aus dir macht. […] Es liegt an dir, was du selbst daraus machst.“
Als das Burfräulein Einsicht zeigte und begann den Hass durch Reue zu ersetzen, verwandelte sie die Jungfrauen zurück und übergab sie ihren geliebten Fischerjungen.

Hier weicht das Musical vom Original ab, denn auch heute noch sind die Felsen im Eselsburger Tal zu sehen.
Die Schauspieler verpackten mit Leidenschaft, Humor und einer professionellen Lockerheit ohne Angst vorm Publikum die alte Sage aus der Heimat der Chor- und Bandleiterin in ein modernes, junges und fetziges Musical, welches von Liebe und Hass, aber auch Reue und Vergebung berichtete.

Jedes musikalische Highlight des Stückes wurde mit einer passenden tänzerischen Einlage unterstrichen. Mit schimmernden, flammenden und geheimnisvollen Kostümen, gaben die Tänzerinnen und Tänzer unter der Leitung von S. Weiß und J. Marko phantasievolle Einblicke in das Gefühlsleben der Figuren.
Mit diesem Musical verabschiedete sich die Musiklehrerin S. Szkopp von 30 Jahren Schulmusical.
Das gesamte Ensemble von knapp 100 Mitwirkenden vor und hinter der Bühne zeigte, wie ein gemeinsames Projekt und Ziel mehrere Jahrgangsstufen und Klassen, aber auch Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte miteinander verbindet. Es machte die Worte der Schulleiterin Ch. Kuhn sichtbar, als sie am Ende der Vorstellung sagte: „Wir leben hier Gemeinschaft!“

Anna- Maria Zürn