Solidarität üben

Der diesjährige Abschlussjahrgang der Helmut-Rau-Schule hatte es nicht leicht. In einer Situation der Ungewissheit, der täglichen Neubewertung der Lage und Improvisation war es an Ihnen und Ihren Lehrern und Lehrerinnen, sich auf die Prüfungen vorzubereiten und das Lernpensum zu organisieren. Die Leistungen entschädigten die Akteure für all die Mühen, die sie auf sich nehmen mussten.

Oft werden jedoch jene vergessen, die erst im kommenden Jahr ihren Abschluss anstreben. Auch die Schüler und Schülerinnen der 9.Klassen mussten sich in der neuen Sachlage zurechtfinden. Besonders schmerzhaft war die Gewissheit, dass nach derzeitigem Stand auch im kommenden Schuljahr Klassenfahrten und Unterrichtsgänge nicht stattfinden können. Somit war auch die bereits geplante und gebuchte „Berlinfahrt“, die an unserer Schule ihre Tradition hat, obsolet. Ein Besuch der Berliner Mauer, des Stasigefängnis in Hohenschönhausen oder auch die Teilnahme an einer Sitzung des Dt. Bundestages ist somit für ihre Schulzeit nicht mehr möglich. Dies ist sehr bedauerlich.

Es liegt im Bestreben der Leitung und der Pädagogen, für die jetzigen 9. Klassen eine Kompensation zu ermöglichen, also auch ihnen zumindest die soziale Erfahrung einer Abschlussfahrt zu ermöglichen. Wie dies erfolgen soll, muss anhand der aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten im nächsten Schuljahr entschieden werden. Um die kommenden Absolventen, denen es ebenso nicht möglich war, Geld für ihre Fahrt zu organisieren, zu unterstützen, war es ein besonderes Anliegen des Abschlussjahrgangs 19/20, die die nach ihnen kommen, auch finanziell zu unterstützen.

100 Euro pro Klasse, insgesamt 300 Euro, flossen in die Klassenkassen der jetzigen 9. Jahrgangs. Die Absolventen und Absolventinnen war es wichtig, ein Zeichen zu setzen und Solidarität mit ihren, nun ehemaligen, Mitschülern zu üben.

Dass der Impuls für diese Aktion aus den Reihen der Jugendlichen selbst kam, stimmt uns Pädagogen froh, zeigt es doch, dass die uns Anvertrauten neben allerlei fachlichen Kompetenzen auch soziale Verantwortung gelernt haben.

K.Schlicht